15 Jahre visuelle Marsbeobachtung -
die Oppositionen 2003 bis 2018



"Meine" erste Marsopposition, in der ich den Planeten kontinuierlich beobachtete und die Beobachtungen zeichnerisch festhielt, war in dem wunderbar langen und heißen Sommer des Jahres 2003; im Zeitraum vom 16. Mai bis zum 7. Dezember des Jahres. Es sind in dieser Zeit 40 Zeichnungen entstanden, alle gefertigt entweder am 8" SC oder am 5" f/14 Refraktor. Zugleich bot diese Opposition außergewöhnlich hervorragende Bedingungen: Der Planet erreichte im juli und August einen Durchmesser von 25", stand in angenehm zu beobachtenden Deklinationen - und das Wetter spielte fast ausnahmslos mit.

Es folgten die Oppositionen der Jahre 2005, 2007, 2009/10, 2012, 2014/15, 2016 und zuletzt die in diesem Jahr 2018 beendete. Die brachte zwar eine Annäherung des Planeten fast wie 2003, forderte den mitteleuropäischen Beobachter jedoch mit niedrigsten Deklinationen und einigen Überraschungen heraus...


Nachfolgend stelle ich meine Wahrnehmung zweier ausgesuchter Mars-Regionen über die Jahre anhand einigermaßen treffender Zeichnungen gegenüber. Ich habe dafür zum einen die Region um "Iuventae fons", genauer den Bereich von 40° - 100° Länge und zum anderen denjenigen, der vom "mare Cimmerium" dominiert wird, das sind 200° -
240° Länge ausgewählt.

Die Zeichnungen sind so orientiert, daß Süden oben ist und der Planet von rechts nach links dreht.

 

Links 40°-100°........................................................................................................................................................................................................Rechts 200° - 240°

Diese Zeichnung datiert vom 16. Juli 2003. Sie wurde am 5" FH bei einer Vergrößerung von 200x mit Blaufilter gemacht.
Der Zentralmeridian ist 50°.
Die Südpolarkappe ist ausgedehnt, am rechten Rand kommt als dunkler Fleck solis lacus auf.
Die Zeichnung vom 6. August 2003. Instrument 8" SC bei 225x, Filter hellblau. Der ZM: 201° Ausgedehnte SPC.
19. September 2003. Instrument 8" SC mit 170x und Binokularansatz.
ZM: 68°.
Die SPC ist stark geschrumpft. Solis lacus jetzt an der Grenze vom 1. zum 2. Quadranten. Der Planet hat den Höhepunkt der Opposition überschritten, er zeigt jetzt Phase am aufkommenden Rand.
3. September 2003. 8" SC mit 170x binokular.
Der ZM: 228°.
Die Polkappe binnen Kurzem dramatisch reduziert, Mare Cimmerium und mare tyrrhenum zentral. Der helle polseitige Fleck: Eridania.
Opposition 2005, 5. September. Mit 225x und Orangefilter am 8".
ZM 72°.Solis Lacus im 2. Quadranten oben. Nahe der SPC die dunkle Marke in 1: mare australe.
18. August 2005. ZM: 214°. 8" SC mit 225x, Orangefilter.
Hesperia zentral, mare Cimmerium in 4.

Eine kleine Dunsthaube über N.

Eine für den Durchmesser von knapp 13" recht detailreiche Beobachtung.
17. Oktober 2005. Bei hervorragender Luft am 8" mit 225x gezeichnet.
ZM 42°. Iuventae fons der "Zipfel" in der Mitte.
26. September 2005, ZM 220°. Instrument 8" SC bei 225x & Orangefilter.

Die SPC ist fragmentiert.
Die zarte Marke in 3: Alcyonus nodus. Eine ausgedehnte Dunsthaube über N.
Die Opposition 2007/8. Da hatte ich dann begonnen, alle wesentlichen Angaben in die Zeichnung hineinzunehmen.

An dieser Zeichnung mag man ahnen, was einige Beobachter Ende des 19. Jahrhunderts veranlaßt hat, "Kanäle" auf dem Mars zu erkennen.
Zu Beginn der Opposition bei knapp 11" Durchmesser.

Keine SPC! Alcyonus nodus in 3.
Sechs Wochen später, fast gleicher ZM, aber der Durchmesser des Planeten hat knapp 10" erreicht - die Grenze zuverlässiger visueller Wahrnehmung. Interessant ist der Knoten an der NPC, 3. Quadrant unten. Den hatte ich bereits am 2. Januar wahrgenommen (oben), also kein Irrtum. Allerdings ist die Wahrnehmung kontrastreichen Details auch nicht weiter schwierig...
Keine"tolle" Opposition, der Planet erreicht gerade so 16" im Maximum.

Keine SPC, dafür große NPC. Mare Cimmerium, Tritonis sinus in 4 und 1 prominent.
Die Opposition 2010 war nicht sehr ergiebig. Hier eine der wenigen Zeichnungen des Bereichs.
   
Im Jahr 2012 habe ich dann andere Zeichenvorlagen probiert, ohne daß sie mich länger überzeugt haben. Zeichnung vom 20. März 2012.
Instrument: C8, 330x mit Filtern orange & blau. ZM: 46°. Auffällig die Aufhellung am wegdrehenden Rand -links-, ein vorübergehender Effekt der dünnen Marsatmosphäre.

Am 4. Januar 2012 mit ZM 230° am 8" SC mit 225x und Orange-Filter gezeichnet.

Die zentrale dunkle Marke: Hyblaeus extension. Mare Tyrrhenum dreht weg, Die rechts aufkommende dunkle Struktur: Syrtis maior.

 

20. März 2014.
Dunst im 3. über Nix olympica.

Die dunkle Struktur um NPC: Utopia.
Die feinen fast zentralen Marken - Stymphalius lacus?

Der aufkommende Rand zeigt einen hellen Dunstkranz.

2016 sind die Zeichnungen aus den Bezugsgebieten rar.
Die dunkle Marke an der Grenze vom 4. zum 1. Quadranten: Solis lacus. Die wegdrehende dunkle Marke in 4: Aurorae sinus mit iuventae fons.
   
Das Jahr 2018 bot einige Überraschungen: Ein "globaler" Staubsturm zog über den Planeten. Hier die Zeichnung von Mitte Juni, da gings gerade los...
Anfang Juni 2018: Ausgedehnte SPC, eine kleine Dunsthaube über N. Der dunkle Fleck im 1. am Rand: Syrtis minor. Am aufkommenden Rand rechts: Dunst über Syrtis maior. Der untere "Zipfel" in 1 - Tritonis sinus (vgl. 28.12.07)
Die kleine Struktur in 3: Hyblaeus extension, rechts aufsteigend davon Stymphalius lacus.
Fünf Wochen später: Obschon der Planet auf der Höhe der Opposition einen ansehnlichen Durchmesser von 24" liefert, ist die Detailwahrnehmung außerordentlich reduziert: der Staubsturm...
Auch hier die Auswirkungen des bereits 6 Wochen anhaltenden Staubsturms: Trotz 23" Durchmesser: kaum und nur verwaschenes Detail...
Ähnlicher ZM, vergleichbarer Durchmesser wie am 16. Juni - indessen ist die Wahrnehmung noch immer beinträchtigt. Die Phase hat auf den aufkommenden rand gewechselt.
In jedem Fall interessant ist die schwache Marke im 2. Quadranten. Die wurde auch schon am 16. Juni gesichtet. was mags sein? ich kann es nicht mit hinreichender Sicherheit zuordnen...