Mein C8 „orange“

Praktische, beobachtende Astronomie hat mich schon immer fasziniert: Als 14-jähriger Schüler hatte ich 1964 meinen ersten Blick auf Jupiter und Saturn durch das 60-mm Spektiv eines Freundes, war begeistert und daraufhin schenkten mir meine Eltern einen vierzölligen „Quelle“-Newton auf azimutaler Montierung, der dann später eine parallaktische Montierung folgte. Mit dem Ding hatte ich reichlich Spaß, bis andere alterstypische nächtliche Umtriebe meine Aufmerksamkeit und Zeit zunehmend beanspruchten...

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Ende 1996 beschloß ich dann, mich wieder meiner Jugendliebe Astronomie zu widmen; konkreter Anlaß war das Auftauchen von Hale-Bopp, nachdem ich Hyakutake im Frühjahr bereits mit dem Fernglas verfolgt hatte:

Mir war von vornherein völlig klar, was für ein Gerät ich wollte: es sollte eins von diesen famosen Schmidt-Cassegrain-Teleskopen mit 8“ Öffnung sein, die ich schon als Schüler im damals abonnierten „Sky & Telescope“ so bewundert hatte. Da ich keinerlei Möglichkeit hatte, vom Balkon gescheit zu beobachten, wollte ich so ein C8 als leistungsfähiges, dennoch leicht transportables und fix aufzustellendes Teleskop erwerben, dessen Öffnung gegen die zunehmende Lichtverschmutzung einigermaßen mithalten konnte.

Auf eine entsprechende Such-Annonce in „Sterne &Weltraum“ erhielt ich zahlreiche Angebote und entschied mich bald zum Erwerb eines gebrauchten C8 orange mit 7x50 Sucher auf Gabelmontierung. Die Gabelmonti war insofern modifiziert, als die Original US-RA-Synchronmotoren 110V/60Hz über einen selbstgebauten, an den Montierungssockel angeflanschten Wandler versorgt wurden, der aus 12 V= den benötigten Wechselstrom herstellte. Der Verkäufer, der mir einen redlichen Eindruck machte, versprach eine „sehr gute Optik“ und ich habe das Ding dann zusammen mit einigen Okularen und einem Celestron „deluxe“ Stativ bei seiner Ehefrau gegen Zahlung von 2.900,- DM abgeholt. Durchgeguckt habe ich vorher nicht.

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Die ersten Beobachtungen waren außerordentlich zufriedenstellend und ich war für einige Zeit ein vorbehaltlos glücklicher Mensch. Im gelegentlichen Vergleich mit den meist Dobson-Geräten von anderen Hobbyastronomen schnitt mein Maschinchen gerade in puncto Kontrast nicht schlecht ab und ich hatte den Eindruck, einen guten Kauf gemacht zu haben.

Dann gabs erste Probleme: Zunächst hatte ich in der Nervosität des Aufstellens (Hale-Bopp & zahlreiche wartende Zuschauer) die Polarität der Stromversorgung vertauscht, was mir einen netten Kabelbrand im Gehäuse bescherte. Glücklicherweise kann ich mit dem Lötkolben umgehen (habe als Schüler Radios gebastelt) und konnte das Verschmorte austauschen. Dann ein neuer, zunächst unerklärlicher Defekt, der die Transistoren der Gegentakt-Endstufe des Wandlers abrauchen ließ: da stellten sich als Ursache eine kalte Lötstelle am Schwingquarz und dadurch verursachte wilde Schwingungen heraus. Also Komplett-Austausch der aktiven Bauelemente. Die schlechte Lötstelle war wohl erst durch die Erschütterungen bei meinen Beobachtungstransporten aktiviert worden.

Ein kleines mechanisches Problem ergab sich bei der Fokussierung: Der Drehknopf lief teilweise schwergängig, was aber durch Lösen und Nachstellen der von außen ohne weiteres zugänglichen Schrauben des Fokussiergehäuses leicht zu korrigieren war.

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In der Folgezeit wurden dann angeschafft:

Ein Binokularansatz mit einem Paar 25 mm CZJ-Okularen von BW-Optik. Die erste Lieferung wurde wegen Reflexionen anstandslos und schnell umgetauscht, das dann gelieferte Gerät habe ich selbst noch ein wenig nachjustiert und bin jetzt sehr zufrieden damit. Die 25mm CZJ sind wahre Kontrast-Wunder.

Okulare 12,5 mm LVW und 6,4 mm Meade 4000 -beide vorzüglich, schließlich ein Vixen 6 mm ortho - letzteres mein „Doppelstern-Killer“

Ein beleuchteter Aufrechtsucher 7x50 gebraucht, weil ich mit den „Verkehrtrum“-Ansichten entgegen den Aufsuchkarten nicht zurecht kam

Taukappe und Heizmanschette (Kendrick dew-remover)

Außerdem hatte ich die Stromversorgung für den RA-Antrieb über den Zigarettenanzünder auf die Autobatterie gelegt.

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Erste Gedanken wegen der Optik machte ich mir, als es mir nicht recht gelingen wollte, die Cassini-Teilung zweifelsfrei zu sehen; das sollte ein 8“ doch schaffen?! Auch diverse Doppelsterne unter 1,8“ taten mir nicht den Gefallen, sich auflösen zu lassen. Abhilfe brachte eine Anfrage bei Herrn Breite vom VdS: der schrieb mir im Juni 98 einen freundlichen Brief und erklärte mir, wie man so ein SC justiert. Also besorgte ich mir diese kleinen Inbusschlüssel im Zollmaß und dann wurde das ausprobiert und nach eineinhalb Stunden nächtlichen Hoffen und Bangens - ich fürchtete schon, im Umgang mit den drei kleinen Schräubchen alles vermasselt zu haben: Bingo!! Auf einmal gab es die Cassini-Teilung und zahlreiche zarte Strukturen in Jupiters Bändern und Doppelsterne, ach, bis 1,2“ ließen sie sich spalten...

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Indessen kam das durch die jüngsten Erfolge geweckte Interesse an Neuerungen und Verbesserungen nicht zur Ruhe. Nächster Punkt: Stativ. Das deluxe war zwar recht gut und schön, unter „stabil“ habe ich mir jedoch was anderes vorgestellt und bei auch nur einigermaßen windigem Wetter hatte ich einen Flohzirkus im Okular, wozu auch das Montierungsspiel in RA gehörig beitrug.

Durch Zufall gelang mir im Januar 99 ein wahrer Glücksgriff: Ich konnte ein schweres, professionelles hölzernes Dreibeinstativ mit breitem Auflager und sauschwerem separatem Stativkopf erwerben, das beim TV mal eine Fernsehkamera getragen hatte, und zwar zu Zeiten, als die Dinger noch Röhren hatten und entsprechend was wogen.

Die Aufnehmer für die Stativbeine haben je 18 cm Abstand, die Beine sind sauber mit zentraler Doppelspreize ausgeführt, massive Metallspitzfüße und große verchromte Knebel, Dosenlibelle – mit Umlenkspiegel-, Längenmarkierungen an jedem Bein, die sich bis 1,60 ausziehen lassen, zeugen von der hervorragenden Praxistauglichkeit und soliden Verarbeitung des Teils.

Auf dem Bild trägt es mit ausgezogenen Beinen allerdings meinen 5“f/14 Refraktor. Der ruht jetzt (2007) allerdings auf einer ATLUX mit eigenem Permanent-Stativ...

Der Hersteller des Stativs hieß Max Killi, München. Sowas wird heute überhaupt nicht mehr gebaut, möchte ich wetten. Vom Schlosser ließ ich mir einen Adapter für meine Gabel machen und konnte fortan ein erhebliches Plus an Stabilität - und an Transportgewicht verbuchen.

Die Detailaufnahme zeigt die genial konstruierte Verbindung zwischen Stativkopf –der wiegt alleine 15 kg!- und dem „Unterbau“:

Der Stativkopf ruht mit seiner als Kugelsegment ausgeführten Basis in einer entsprechenden Negativwanne und wird dort mittels zentraler Klemmschraube fixiert. Eine kreisförmige Aussparung in der „Wanne“ erlaubt feinfühliges lotrechtes Ausrichten des Stativkopfs an der durchgeführten Zentrierschraube, ohne an den Beinen rumfummeln zu müssen.

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Im April 2000 war ich dann der Meinung, daß 1,2“-Doppelsterne für ein 8“ SCT mit „sehr guter Optik“ noch nicht das Ende der Fahnenstange sein dürfen, außerdem hatte ich leichten Belag auf dem Hauptspiegel festgestellt und ärgerte mich über die doch häufige Notwendigkeit, die drei kleinen Schrauben zwecks Nachjustierung drehen zu müssen... Kurz und klein: der Teufel hat mich geritten und ich habe mein C8 auf die Werkbank gelegt, die Schmidtplatte munter losgeschraubt und rausgenommen und alles auseinandergepuhlt, mit Isopropanol-Alkohol gesäubert und wieder zusammengebaut. Ergebnis: „Ich kann keinen Unterschied feststellen“ (O-Ton aus der dash-Fernseh-Werbung in besagter Schülerzeit), eher schlechter!! Also hat sich der Herr Gernegroß-Hobby-Optikingenieur erstmal im Internet bei Leuten, die davon was verstehen, umgetan und war danach um die Weisheit reicher, daß SC-Optiken auch rotationskollimiert sind. Aha!

Also kleinlaut wieder rein in die Optik-Kartoffeln. Alles von vorn - und jetzt genau geguckt und zur Abwechslung mal mitgedacht:

Zunächst den Fangspiegel zur Schmidtplatte gerichtet. Das ist recht einfach, weil auf der Rückseite des Fangspiegels eine deutliche Strichmarkierung angebracht ist – die muß auf die in den Rand der Schmidtplatte eingravierten Ziffern zeigen, dann befinden sich diese optischen Komponenten in der richtigen Lage zueinander. Weiter habe ich bemerkt, daß mein Voreigentümer an der Innenseite des Tubus einen Bleistiftstrich angebracht hatte. Messerscharf der darauf gegründete Schluß, daß es sich dabei um eine Justiermarke handelt - die Zifferngravur der Schmidtplatte danach ausgerichtet und den Tubus bei der Gelegenheit gleich noch mit schwarzem Fasersamt ausgeklebt.

Da ich ja den Sekundärspiegel mitsamt Halterung aus der Schmidtplatte rausgeschraubt hatte, habe ich bei der Gelegenheit eine etwas längere feine Schraubenfeder aus der Bastelkiste über die zentrale Schraube, die die Sekundärspiegelhülse gegen die drei Justierschräubchen „zieht“, gelegt.

 

Jetzt steht der Sekundärspiegel unter leichtem Druck gegen die drei Justierschrauben - und ich habe seither nur wenige Male sehr geringfügig nachjustieren müssen, obschon die Wege zu meinen seinerzeitigen Beobachtungsplätzen im Schwarzwald im Endstadium sämtlich über Holperstrecken führten.

 

 

 

Ergebnis der Operation: die Optik trennt seither Doppelsterne bis 0,6“-mit "schwarz dazwischen"-, zeigt an Saturn die Cassiniteilung umlaufend und das Encke-Minimum blickweise - bei sehr guten Bedingungen auch besser. Am Planeten überrascht das Teleskop auch nach dem Urteil erfahrener Kollegen mit einer für ein SC bemerkenswerten Detailfülle.
Also doch eine „sehr gute Optik“, wie mir mein redlicher Verkäufer versprach, mein bleibender kleiner Kummer ist allenfalls das von hellen Objekten produzierte Streulicht. Zwar habe ich inzwischen auch das Blendrohr mit Fasersamt ausgeklebt (was nicht ganz einfach war, bis ich auf die Idee kam, die Klebefolie von innen mit aufgerolltem Fotokarton an das enge Rohr anzudrücken) aber bei hellen Objekten streut´s immer noch - und damit werde ich leben müssen...

Spiegelshifting war an sich kein Thema: zwar vorhanden, aber in einem für den visuellen Beobachter m.E. absolut tolerablen geringen Maß. Indessen hat mir die Sache keine Ruhe gelassen und ich habe mir von der Firma Baader den Crayford-Okularauszug für knapp 400,- DM geleistet. Jetzt wird mit dem Hauptspiegel noch grob vorfokussiert, je nachdem, ob ich mit oder ohne Zenithspiegel arbeite. Dann zeigt der Crayford, was sauberes Fokussieren ist – gerade am Planeten, für die ich mich immer mehr erwärme, ist es doch eine erhebliche Erleichterung, ohne auch nur geringstes shifting zu beobachten.

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Als weitere Verbesserung habe ich mir eine Heizung für die Schmidtplatte gegen´s Beschlagen dergestalt angefertigt, daß ich einfach eine Lage Widerstandsdraht um die Schmidtplattenfassung außen drumrum geklebt habe; das geht ohne weiteres und die Teleskoplackierung genügt als Isolation gegen Kurzschluß vollständig. Das Gefummel mit der Kendrick-Manschette war mir zu umständlich geworden, außerdem ist das Ding nicht „kompatibel“ zur Taukappe. Das ganze ist mit einem kleinen Schalter und Kontroll-LED aufs Teleskop montiert und zieht seinen Strom über eine flexible und sehr belastbare Spiralschnur - von einem alten elektrischen Rasierapparat. Die bringt auch den Strom für die rote Sucher-LED, den ich über einen kleinen 6kOhm Vorwiderstand aus 12 Volt abzweige, nachdem mir das mit den Knopfzellen zu teuer und kälteanfällig wurde...

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Aber da war doch noch was? Richtig, die zunehmend unbefriedigende Gabelmontierung. Also habe ich kurz entschlossen im Mai 2000 in eine brandneue GP-DX Monti mit Skysensor 2000 beim Vehrenberg investiert. Diese Firma ist zunächst zu loben: Die zugesagte Lieferfrist wurde exakt eingehalten, Anfragen und Briefe umgehend beantwortet, nicht benötigtes Material zurückgenommen und gutgeschrieben und man wollte nicht mal Anzahlung bei einer Bestellsumme von über 6.000,- DM!

Nachtrag: Vehrenberg ist inzwischen leider pleite gegangen. Vielleicht waren sie doch zu kulant und kundenfreundlich??

Nachdem mir dann der Schlosser einen Flansch-Adapter für mein Stativ gedreht hatte -ich habe unter der GP den Säulenadapter- und mit der Neuerwerbung loslegen konnte, hat sich für mich eine neue Astronomie-Welt aufgetan:

Mit deep-sky hatte ich mich immer etwas schwergetan, weil das Aufsuchen von schwachen Galaxien, quasi-stellaren PNs etc häufig in ein frustrierendes rumstochern mündete und ich regelmäßig meine vorbereiteten Beobachtungsunterlagen teils mit dem Vermerk „nicht gefunden“ wieder mit nach hause nahm. Jetzt merke ich erst, was mein 8“ auch in puncto deep-sky kann: Wenn die Monti eingenordet und der Skysensor mittels dreier Referenzsterne initialisiert ist, dann kann ich sicher sein, nach Katalognummern oder Koordinaten eingestellte Objekte jedenfalls im Gesichtsfeld meines 25mm Okulars zu haben. Galaxien bis über12m5 sind so in der Regel machbar, PN habe ich bis jenseits 13m zuverlässig gefunden. Bei einer beworbenen Grenzgröße für ein C8 von 13,3 mag stellen diese Resultate der jetzt 30 Jahre alten Spiegeloptik ein wahrhaft gutes Zeugnis aus.

Skysensor PC 2000-Erfahrungen:

Vorab: Ich bin mit dem Gerät außerordentlich zufrieden. Die Praxistauglichkeit ist -jedenfalls für einen visuellen Beobachter- hervorragend und die Objektkataloge sind für ein Instrument meiner Kategorie unerschöpflich. Vorzüglich auch die Möglichkeit, Bahnelemente von Kometen etc einzugeben. Der Skysensor rechnet die Vorgaben zuverlässig in Himmelsörter um. Voraussetzung für einen einwandfreien GoTo-Betrieb ist allerdings eine ordentliche lotrechte Aufstellung der Montierung. Außerdem muß man bei einer 3-Punkt-Initialisierung beachten, daß eine der Referenzpositionen am Ost- oder am Westhimmel zu suchen ist. Die Montierung muß also einmal "umgeschlagen" werden. Danach ist die Trefferquote erstaunlich und erfüllt die durch die Werbung geweckten Erwartungen. Der Stromverbrauch ist überschaubar, wobei ich allerdings -auch um die Geräusche in Grenzen zu halten - die Max-Speed auf 400x begrenzt habe, was ausreichend ist (wer keine Zeit hat, sollte sich m.E. ohnehin einer anderen Passion als der Astronomie zuwenden...). Dann zieht der Skysensor mit beiden Motoren kurzzeitig knapp 2A, im reinen Nachführbetrieb verbraucht mein Gerät 180 mA.


Einige Schwierigkeiten gabs auch, die stelle ich hier mal zusammen. Allerdings können diese Erfahrungen mein positives Gesamturteil über den Skysensor PC 2000 im Ergebnis nicht schmälern:

Ein Problem mit den Motoren ergab sich nach drei Betriebsjahren: Der RA-Motor produzierte nicht mehr das gewohnte Schnurren, sondern gab zunehmend schleifende Geräusche von sich und begann zunehmend, geringfügig zu „springen“. Das Studium der englischen Original-Betriebsanleitung bescherte mir die Erkenntnis, daß derlei offenbar nicht ganz ungewöhnlich ist: Jedenfalls hat der Hersteller im Setup-Menü unter Teleskop-Konfiguration die Option vorgesehen, für die Motoren unter je drei „Sets“ wählen zu können, die das Zusammenspiel von Motor und Encoder regeln: Es hat sich danach für eine gewisse Zeit herausgestellt, daß ich mit einem Wechsel von Set1 zu Set3 richtig lag und die Motoren ohne Sprünge ihren Dienst versahen. Dann wurde es aber doch wieder arg laut und meine Befürchtung, daß der betreffende Motor mit einem Getriebeschaden schwanger geht, wurde von der Fa. Vehrenberg nach kurzer Diskussion akzeptiert, zumal bekannt ist, daß eine Motorencharge, die zu meiner Zeit -1. Halbjahr 2000 - ausgeliefert wurde, schadhaft war. Jedenfalls hat mir Vehrenberg einen kostenlosen Tauschmotor geschickt, seither schnurrt wieder alles... Leider ist Vehrenberg inzwischen pleite.

Ein weiteres Problem ergab sich dann im Sommer 2003, als der Dek-Motor sich plötzlich zu unkontrollierten Sprüngen und stop-and-go-Betrieb versah. Des Rätsels Lösung: Direkt hinter dem Stecker an der Steuerbox war ein Steuerkabel zum Dek Motor gebrochen, Ursache wahrscheinlich die zu fest angezogene Kabelschelle und dauernde Biegebeanspruchung. Ich hab´s aufgedröselt, ausgeschnipselt und eine Brücke eingelötet, alles mit Isoband und Schrumpfschlauch gedichtet und dann lief´s wieder!

Allerdings erwies sich dieser 20-polige Stecker vom Kabelbaum zur Steuerbox auch in der Folgezeit als fehlerträchtig und darf wohl als Schwachstelle des ansonsten gut gemachten Geräts bezeichnet werden. Dazu kommt, daß die Angaben im Handbuch zur Belegung dieses Steckers zumindest unklar und wenig hilfreich sind:

Im September 2003 hatte ich mal wieder mit sich in wechselnden Motorgeräuschen offenbarenden Unregelmäßigkeiten des Antriebs zu kämpfen. Als Ursache war alsbald -nach der sehr empfehlenswerten Biege-und Wackel-Methode- wieder der Stecker geortet worden. Als ich den aufschraubte, kam mir die Bescherung entgegen:

Die in die Messing-Kontaktspangen mündenden einzelnen Drähte waren dort nur geklammert - und hatten den Halt verloren, sodaß sie sich nach Öffnen des Steckers mehrheitlich sofort aus ihren kleinen Hülsen herausfieselten... Ich habe dann -was nicht weiter schwierig ist- alle Drähte und die Kontaktspangen aus der Steckerleiste gezogen und zunächst mal die Drähte mit den kleinen Messingdingern verlötet. Bei der Vorbereitung des Zusammenbaus habe ich dann folgende Farbkodierung der jeweiligen Motorkabel herausgefunden:

Die schematische Darstellung der Steckerbelegung jedenfalls in meinem Handbuch ist irreführend, weil die dort eingezeichnete Position der Nut auf der Steckerleiste falsch ist -"unten" statt "oben". Außerdem ist unklar, ob dort nun die Leiste (weiblich, am Kabel) oder der Stecker (männlich, an der Handbox) dargestellt sind.
Hier also, um "alle Klarheiten endgültig zu beseitigen", das Beschickungsschema der Steckerleiste (weiblich) - und zwar von der Kabelseite her gesehen:

Dann im Juli 2007 was Neues: Der RA-Motor lief und lief, ließ sich nur durch Abschalten anhalten - und hätte mir fast einen schönen Kollisionschaden mit dem Deklinationsmotor beschert. Ursache: Das blaue Kabel des RA-Encoders B war direkt hinterm Stecker -wo sonst?- abgebrochen. Klar, daß der Motor dann dauernd läuft, wenn er kein Signal vom Encoder kriegt, daß die anzufahrende Position erreicht ist... Auch hier eine kurze Löt-Operation - und jetzt läuft er wieder in gewohnter Präzision.

Im Januar 2011 habe ich schließlich mal vorsorglich die 3,6V Lithium-Batterie ausgetauscht, die die interne Uhr und die eingegebenen Setup-Werte puffert. Das ist eine für einen einigermaßen bastlerisch begabten Menschen ohne weiteres machbare Sache. Hinterher muß das Setup neu eingerichtet werden, es ist daher unbedingt zu empfehlen, sich Betriebsparameter wie Getriebespiel etc. vorher aufzuschreiben. Die mit Lötfahnen bestückte Batterie gibts im Fachhandel, mich hat sie 9,-   gekostet. Wenn sie dann für weitere 12 Jahre ausreicht, eine gelungene Investition!

 

Nachtrag: Im Jahr 2011 habe ich mir eine FS-2 Steuerung von Michael Koch geleistet. Die kann nur mit der alten ATLUX, da diese Steuerung noch mit Schrittmotoren arbeitet. Die New Atlux hat dagegen Servomotoren. Die Steuerung ist absolut genial: praxisgerecht, leicht erlernbar und auf die Bedürfnisse des fortgeschrittenen Amateurastronomen individuell abzustimmen. Allerdings wird eine regelrecht eingenordete Montierung vorausgesetzt. Dann ist die Steuerung aber den Anschaffungspreis von über 800,- Euro wert. An der mit einigem Aufwand eingescheinerten ATLUX arbeitet sie mit wirklich hervorragender Präzision. Das Repertoire an Referenzsternen ist absolut ausreichend; tagsüber dient die Sonne als Referenzobjekt. Außerdem zieht die Steuerung im reinen Nachführbetrieb erheblich weniger Strom als der alte Skysensor-3. Daß die Anfahrgeschwindigkeit mit 32x bescheiden ist, kann der Steuerung nicht angelastet werden; die Schrittmotoren der ATLUX können nicht schneller...
Zu den mit der Steuerung gelieferten Objektkatalogen kann ich aus Eigenem nicht viel sagen; ich nutze das Gespann C8/ATLUX für meine Doppelstern-Messungen und diese Objekte fahre ich nur nach Koordinaten an. Mit hervorragender Trefferquote! Gegenüber der GP zeigt die ATLUX mit der FS-2 eine eindeutig bessere Stabilität und gibt ein erheblich feinfühligeres Ansteuern, was gerade beim Arbeiten mit Positionskreis und Mikrometerschraube erheblich Nerven spart.

 

Vor meinem Häuschen steht eine aus Kanalrohren gefügte 1,10 m hohe Säule, die auf drei mit Schnellzement fixierten und mittels Kontermuttern nivellierbaren Gewindestangen die Montierung auf dem vom Schlosser gedrehten Adapter unter dem Vixen-Säulenadapter trägt. Die Kanalrohre sind mit Feinbeton gefüllt und mit Armierungseisen in einem solide ausgegossenen Zementfundament verankert. Die Stromversorgung erfolgt inzwischen über ein eingegrabenes Kabel.

Jetzt bin ich also „halbstationär“ und brauche mich an aussichtsreichen Tagen nicht mehr mit Temperaturanpassungsproblemen rumzuschlagen:

Draußen wartet mein C8, gegebenenfalls gegen Tauniederschlag von einem zweckentfremdeten Sonnenschirm geschützt und neuerdings im Bedarfsfall von einer alukaschierten Styroporhaut gegen ungleichmäßige Auskühlungseffekte und dadurch bedingtes "tubusseeing" geschützt...

 

Es gibt noch viel zu sehen mit meiner betagten Warnfarben-Tonne!!

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