Eine dunkle Streifen-Struktur -"dark rift"- in Jupiters nördlichem Äquatorialband
visuell beobachtet und gezeichnet
über die Opposition 2001/2002

 

In der Opposition 2001/2002 gab es im NEB des Planeten eine auffällige, dunkle und langgestreckte Formation, die sich über einen längeren Zeitraum hielt. Erstmals habe ich diese Struktur am 4. November 2001 mit dem C 8 bei ZM ~ 170° Sys II gesehen und zeichnen können:

Die Beobachtung erfolgte - wie auch alle weiteren - bei 225-facher Vergrößerung mittels eines 9mm orthoskopischen Okulars. Ich habe ein 50% Dämpfglas benutzt, weiterhin häufig auch ein Gelbfilter mit einer Maximaltransmission bei 525nm. Ein Fadenkreuzokular habe ich nie benutzt, nach meiner bisherigen Erfahrung läßt sich die ZM-Passage eines planetaren Details nach einiger Übung auch ohne weiteres mit "freiem Auge" zuverlässig bestimmen.

Bereits bei dieser ersten Zeichnung (Süden ist oben und der Planet dreht von rechts nach links) habe ich die Zeit des ZM-Durchgang des markanten dunklen Flecks am nachfolgenden Ende des Rifts genommen: Das war damals um 5:52 MEZ, was einer Länge von 166° in Sys II entspricht.

Zur Bestimmung des Zentralmeridians bediene ich mich eines nützlichen Programms, das mein Planeten-Beobachter-Kollege Cai-Uso Wohler entwickelt hat, und das man von dessen Seite: http://www.cuwohler.de/ herunterladen kann.

Die Zeitnahme erfolgte mittels Stoppuhr, die ich an das Zeitzeichen im Radio "angeschlossen" habe; dergestalt, daß ich sie loslaufen ließ, wenn das Zeitzeichen kam. Da ich aus früheren Zeiten als Wettkampfrichter beim Radsport eine digitale Stoppuhr mit 60 Speicherplätzen besitze, kann ich dann die gestoppten Zeiten bequem ablesen und erhalte die Passage-Zeiten durch einfache Addition zur Startzeit.
Zugleich läuft bei mir immer ein kleiner alter Kassettenrecorder mit, auf dem ich meine Anmerkungen festhalte.

An die Möglichkeit, auch die Ausdehnung von Objekten durch Mitnahme der Passage-Zeiten der Durchgänge von Anfang und Ende der Struktur zu ermitteln, habe ich damals leider noch nicht gedacht. Heute benutze ich diese Methode häufiger, um die Ausdehnung von Sonnenflecken zu bestimmen...

In der Folgezeit konnte ich die Struktur - die alsbald in der ALPO-Korrespondenz als "NEB-dark rift" bezeichnet wurde - noch zwölfmal zeichnen und acht ZM-Passagen eines markanten dunklen Flecks in der Struktur nehmen. Die letzte Zeichnung datiert vom 22. April 2002. In der Opposition 2002/2003 konnte ich das dunkle "rift" dann nicht mehr finden.

Nachstehend habe ich die der ersten folgenden Zeichnungen in zeitlicher Abfolge aufgelistet; Süden ist immer oben, der Planet dreht jeweils von rechts nach links:

16.11.01 ZM II: 170° 19.11.01 ZM II: 150°
dark spot wurde gestoppt:
ZM = 164° Sys II
8.12.01 ZM II: 171°

10.12.01 ZM II: 132°; der dark spot
wurde beim Durchgang gestoppt:
ZMI = 162,5° Sys II

18.12.01 ZM II: 147°
Der ZM des dark spot wurde mit 165° in Sys II gestoppt.

18.12.01 ZM 196°
4.1.02 ZM II: 157°
Der ZM der dunklen NEZ-seitigen Spitze wurde mit 161° Sys II gestoppt.
6.1.02 ZM II: 164°
9.1.02 ZM II: 156°
Wieder die dunkle Spitze gestoppt: 159,5° in Sys II
4.2.02 ZM II: 138°
Der zentrale dunkle Knoten hat einen ZM von 153,5° in Sys II
23.2.02 ZM II: 146°
Die Struktur schwindet; die dunkle Spitze hat einen ZM von 149° in Sys II
22.4.02. ZM II: 186°. Letzte Sichtung der wegdrehenden dunklen Struktur

 

Die beobachtete Struktur zeigte sich zunächst mit einem vorangehenden "Flügel", der eine scharfe, von der EZ bis zur NTZ diagonal verlaufende Teilung des NEB brachte. Diese war von lebhaften kleinen hellen Wirbeln zwischen den Komponenten begleitet. Etwa um die zweite Dezemberhälfte entwickelte sich dann ein nachfolgender Schweif, der von dem offenbar zentralen Punkt des Geschehens -"dark spot" - spiegelbildlich von der polseitigen Grenze des NEB wieder zur EZ aufstieg - ohne allerdings von einem derart zahlreichen Aufscheinen heller Ovale begleitet zu sein, wie der vorangehende Flügel. Ihr maximale Ausdehnung erreichte die Struktur nach meinen Beobachtungen kurz nach der Jahreswende, um danach begleitet von - bis dahin nicht nennenswerter - Girlanden-Aktivität überm NEB Anfang Februar 2002 zusammenzuklumpen. Jetzt erwies sich der "jüngere" nachfolgende Flügel als die langlebigere vom "dark spot" ausgehende Struktur.

Die Auswertung der über einen Zeitraum von 170 Tagen erfolgten Beobachtungen ergibt ein weitgehend lineares Wanderungsschema des "dark spot". Wobei ich allerdings unterstellt habe, daß dieser einen jeweils identischen Bezugspunkt darstellt.

Einziger schematischer "Ausreißer" in dem Zusammenhang scheint mir die Beobachtung vom 18.12.2001 zu sein.

Es läßt sich daraus eine tägliche Driftrate von 0,1° in Sys II ableiten.

 

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